2016 - Leben in Uganda - Pfarrer Schmollinger zu Gast am GT

Pfr. Schmollinger

Der Schriftsteller Theodor Fontane, welcher vielleicht dem einen oder anderen aus dem Deutsch-Unterricht bekannt ist, sagte einmal: „Man ist nicht nur ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an“.

Wenn das von Fontane Angesprochene „Ganze“ sich auf die Weltbevölkerung bezieht, stellt sich doch die Frage, ob ein solches „Ganzes“ überhaupt möglich ist. Immer wieder wird die Kluft zwischen Gruppen der Welt angesprochen; die Kluft zwischen Arm und Reich liegt da wohl schon auf der Hand. Und wenn „Arm und Reich“ angesprochen wird, fällt einem die Armut in Afrika im Kontrast zum Reichtum der westlichen Welt ein. Aber zu den Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen: Sind sie überhaupt gerechtfertigt? Und wie viel wissen wir eigentlich von dem „Afrika“, von welchem so oft gesprochen wird?


Im Sinne dessen hatten die Religionsklassen der Klassenstufe 9 die Möglichkeit, in zwei Schulstunden, verteilt auf den 18. April und dem 21. April 2016 von Uganda, einem Land mitten in Afrika, zu erfahren. Dies waren aber nicht gewöhnlich gestaltete Schulstunden; erfahren durften wir interessante Informationen von dem Pfarrer Thomas Schmollinger, welcher in der katholischen Gemeinde Trossingens und dessen Umgebung tätig ist und selber einige Zeit in Uganda verbringen durfte.


Zum ersten Mal in Kontakt treten durfte Pfarrer Schmollinger mit dem Land bereits vor zehn Jahren, als er dort für eine Zeit lang als Jugendseelsorger tätig war. Diese Zeit war ihm aber wohl ein wenig zu kurz, sodass er beschloss, ein Jahr lang, nämlich von 2008 bis 2009, dort zu verbringen und so Projekte fördern zu können; aber auch um das Land und deren Leben und Kultur kennenzulernen.
Kommunikation ist wohl eines der wichtigsten Mittel, um sich in einem Land zurechtzufinden. Dass dies sehr kompliziert hinsichtlich der Sprache sein kann, durften wir selber in Erfahrung bringen: Als wir zu Anfang der Stunde versuchten, mit Pfarrer Schmollinger das Vaterunser auf Luganda, einer der Amtssprachen Ugandas, zu sprechen, war das zu Vernehmende wohl kaum das, was Einheimischen als das Vaterunser bekannt ist, sodass das Gebet zusätzlich noch in deutscher Sprache gebetet wurde.


Pfarrer Schmollinger wusste weitaus mehr über die für uns fremde Sprache; er selber bekam bei seinem Uganda-Aufenthalt dennoch Unterstützung von Einheimischen. Unter den Einheimischen selber geschieht Kommunikation auf einer Ebene, welche wir vielleicht nicht erwartet hätten: Auch sie verständigen sich mithilfe von Handys.
Dass die Digitalisierung nicht nur in der weltlichen Welt stattfindet, lässt sich auch am Barbershop erkennen, welches von Pfarrer Schmollinger tatkräftig unterstützt wird: Der Friseur dient nicht nur dem Frisieren der Haarpracht, sondern tut auch dem Inneren des Kopfes, dem Gehirn, gut, denn dort ermöglicht der Internetzugang den Einheimischen, Unmengen an Wissen aus dem World-Wide-Web zu erfahren. Der Friseurladen hat aber noch weitere Vorteile: Schülerinnen und Schülern wird nicht nur der Internetzugang ermöglicht, sondern es bietet auch genug Licht und Raum, um Hausaufgaben für die Schule erledigen zu können.


Bildung ist in Uganda, wie auch überall auf der Welt, ein wertvolles Gut, welches aber nicht jedem zur Verfügung steht: Es besteht zwar eine Schulpflicht, welche aber nicht auf neun Jahre, sondern auf sieben Jahre beschränkt ist. Die Kosten stellen ebenfalls eine massive Hürde dar: Trotz Abschaffung der Schulgebühren kommen Kosten wie die verpflichtende Schuluniformen oder Materialkosten hinzu, obwohl das Geld bereits knapp bemessen ist; ebenfalls sind die Schulwege teils lang und beschwerlich, sodass trotz allem nicht jedem die Bildung ermöglicht werden kann.


In der jetzigen Zeit sollte die Bildung jedoch Pforten öffnen: So wäre es zum Beispiel in der Politik von immenser Wichtigkeit, da in Uganda seit Jahrzehnten keine Demokratie herrscht und man daher vielerlei Einschränkungen hinnehmen muss. Im Frühjahr dieses Jahres ist der regierende Staatschef wiedergewählt worden; seit jeher gleicht die Politik einer Diktatur. So ergeben sich immer wieder politische Diskussionen. Auch stellen die Königtümer in gewisser Hinsicht einen Gegenpol dar: Die Königtümer werden vom Volk geschätzt und sind von hoher Beliebtheit. So geschieht es, dass die Prinzessin Ugandas als Bugandas Herzogin Katherine aus England bezeichnet wird. Trotz allem ergreift das diktatorische Regime Überhand seit drei Jahrzehnten; in diesem Sinne gab uns Pfarrer Schmollinger mit: „Versucht, die Demokratie zu schätzen.“
Eine starke und volksfreundliche Politik wäre jedoch wichtig und notwendig; schließlich ist in Uganda nicht alles im idealen Zustand. Wie in den meisten Ländern Afrikas ist die Armut weit verbreitet, trotz einiger reicher Leute in diesen Ländern. So kommt es, dass die Lebenserwartung bei 50 bis 54 Jahren liegt; in Deutschland ist diese bei fast 80 Jahren. Die niedrige Lebenserwartung, welche aber im Vergleich der letzten Jahre gestiegen ist, lässt sich zu einem großen Teil erklären mit dem weiterverbreiteten HI-Virus und dem darauf folgendem Symptom AIDS. Aufgrund mangelnder Hygiene ist die Kindersterblickeitsrate ebenfalls sehr hoch.
In diesem Falle helfen Kochbananen, diverse Früchte wie Ananas oder Papaya, aber auch Reis, welche zu den Grundbestandteilen der Ernährung Pfarrer Schmollingers gehörten, leider nicht wirklich. Diese Lebensmittel gedeihen dank der Regenzeit und der nicht merklichen Sommer bzw. Winter gut und bieten so eine Möglichkeit der Selbstversorgung und einer Einnahmequelle. Dieses Klima bringt jedoch nicht nur Positives: Die Regenfälle führen auf den Straßen zu Unannehmlichkeiten und müssen daher ständig repariert werden. Mittlerweile geschieht dies durch die von Pfarrer Schmollinger initiierte Aktion, bei welcher Jugendliche dazu animiert werden, die verkommenen Straßen wieder neu aufzubauen.
Dass Beschäftigungen und Arbeitsplätze für primär Jugendliche eine Perspektivlosigkeit verhindern, sei von großer Bedeutung, sodass Pfarrer Schmollinger versucht Projekte zu fördern, welche der Zukunft der Jugendlichen gewidmet ist. Der Barbershop ist somit ein großer Erfolg, aber auch die Straßenprojekte und viele andere tragen zur stabileren Zukunft vieler Menschen bei. Auch gibt es nun Projekte, in welchen Menschen Schmuck wie Ketten aus Papier herstellen, aber auch alltägliche Gegenstände wie Schuhe aus Autoreifen in Handarbeit kreiert werden.
Solche Projekte bringen jedoch auch einige Probleme mit sich: So sei die Ehrlichkeit vieler Personen dort auf die Probe gestellt, zumal Pfarrer Schmollinger nicht zu jeder Zeit in Uganda bei dem Barbershop sein kann, um ein Beispiel herauszugreifen.
Dass für ihn selber eine gewaltige Umstellung vorzufinden war, erwähnte er ebenfalls: Uganda ist ein Land, welches in vielerlei Hinsicht völlig verschieden ist zu dem bekannten Deutschland. Einfachste Dinge wie alleine aus dem Haus gehen oder die Hygiene waren problematisch. So wurde er stets bei Nacht von einem Einheimischen begleitet, um so seine Sicherheit zu gewährleisten.
Tagsüber machte er mit vielen Einheimischen Bekanntschaften. In der Stadt wurde er von Kindern verschiedenen Alters tanzend begrüßt und sonst waren die Personen freundlich.
Dies und vieles andere mehr erfuhren wir von Uganda; dass zwei Schulstunden für seine Erfahrungen nicht ausreichen, stellten wir ziemlich schnell fest und wird man wohl auch in diesem Bericht festgestellt haben. Umso erfreulicher war es, dass wir trotz allem sehr viel und authentisch über das uns unbekannte Land erfuhren.
In diesem Sinne danken wir Pfarrer Schmollinger für seinen Besuch und danken ebenfalls den organisierenden Religionslehrern, welche diese zwei Stunden initiierten.


Mai Saito, Mai 2016

 

Impressionen

 

      

 

Heute 8 Gestern 1313 Woche 5375 Monat 24621 Ingesamt 1184444

 

Copyright © Gymnasium Trossingen 2021

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie dieser Verwendung zu.